Die kleinen Einsteins
Frühförderung
Angelika Dietrich | © DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05
Die Kinderkrippe der Universität Hohenheim will schon Zweijährige für die Naturwissenschaften begeistern
Um es gleich zu sagen: Ja, es ist ein wenig skurril, wenn sieben kleine Hosenscheißer naturwissenschaftliche Experimente machen. Oder besser: machen lassen. Als Erzieherin Marisa Scharla ruft: »Kommt, wir machen einen Versuch«, laufen sie los zum kleinen Tisch, klettern auf die Stühlchen, und Leander krabbelt zu seinem Platz. Auf dem Tisch liegt ein Luftballon, daneben steht ein Plastikgefäß mit Wasser. Das Thema an diesem Tag: »Luft unterschiedlicher Temperatur«, Experiment Nummer zwei, »der Luftballongeist«. Max faltet die Hände, Malte und Greta starren mit großen blauen Augen auf den Tisch. Maja nuckelt aufgeregt am Schnuller. Es ist so still wie sonst in Krippen nur zur Schlafenszeit.
Die Kinderkrippe Kleinstein der Universität Hohenheim ist die erste und einzige, die gerade das Zertifikat »Haus der kleinen Forscher« bekam. Eigentlich für Kinder von drei bis sechs gedacht, soll diese Initiative der Unternehmen McKinsey & Company, Siemens, der Helmholtz-Gemeinschaft und der Dietmar Hopp Stiftung Kinder im Vorschulalter an Naturwissenschaft und Technik heranführen. Gefördert wird das Programm vom Bundesbildungsministerium und soll irgendwann in allen Kindergärten und Kindertagesstätten eingeführt sein. Bislang nehmen 3300 Einrichtungen teil, 100 dürfen sich bereits mit Zertifikat und Plakette schmücken.
»Ist da was drin?«, fragt die Erzieherin und deutet auf das Plastikgefäß auf dem Tisch. »Wassa«, sagt Max. »Da«, kreischt Greta und fasst an das Gefäß. »Ist das kalt oder warm?« Greta, zwei Jahre alt, steckt den Finger hinein, und die anderen machen es nach. Sie lecken das Wasser ab, »kalt« lautet der Beschluss....heiße, heiße. – Dalte, dalte.« ...Versuch beendet. Nix gelernt, aber Spaß gehabt. Baby Lucia hat alles verschlafen.
Dass schon Ein- bis Zweijährige einfache physikalische Zusammenhänge begreifen, ist wissenschaftlich erwiesen, sagt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Bestes Beispiel: Lichtschalter an- und ausknipsen. »Aber so ein Bildungsangebot macht nur Sinn, wenn die Kinder sich aktiv daran beteiligen können. Wenn sie helfen können, ein Experiment aufzubauen.«
Mirko Poltier von der Stiftung Haus der kleinen Forscher sagt: »Wir finden es klasse, dass die Uni auf uns zugekommen ist und das Konzept bei unter Dreijährigen anwendet. Aber das Material speziell auf diese Altersgruppe zuzuschneiden ist derzeit nicht unser erstes Anliegen.«
Bei den Eltern der Kleinsteins kommt das Experimentieren gut an, als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Uni tun sie schließlich selbst nicht viel anderes. ...
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